Unser Fenster nach Kirgistan: das Land im Schatten Russlands
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00:00:09: Heute ist der dreißigste Juni, der letzte Tag des Monats und das bedeutet dass wir im Podcast Freiräde der Tatspanther Stiftung sprechen.
00:00:17: Wir blicken dorthin wo der Zugang zu Informationen immer schwieriger wird.
00:00:22: Heute öffnen wir das Fenster nach Kyrgyzstan.
00:00:25: Mein Name ist Tigran Petrosian.
00:00:27: ich bin Journalist und Leiter die Osteuropa Projekte der Tatzpanther-Stiftung.
00:00:32: Kyrgestan galt lange als die demokratische Ausnahme in Zentralasien.
00:00:37: Nach dem Umbruch von Jahrzehnten entwickelte sich das Land in Richtung Demokratie und Pressefreiheit.
00:00:44: Doch seit der Machtantritt vom Präsident Sadr Jabarov im Jahr-Zw.
00:00:49: beobachten viele einen autoritären Kurs.
00:00:53: Gleichzeitig bleiben die Beziehungen zu Russland eng, Kyrgyzstan orientiert sich in Teilen an russischen Gesetzen und steht immer wieder im Verdacht, eine Rolle bei der Umgehung westliche Sanktionen gegen Moskau zu spielen.
00:01:08: Wie sieht die politische Lage heute aus?
00:01:10: Welche Folgen haben Russlands Einfluss der Krieg gegen die Ukraine?
00:01:15: Darüber spreche ich mit Makhinurn Yasova – sie ist unabhängige Journalisten aus der kirgisischen Hauptstadt Bishkek und Alumna der Tatspander Stiftung!
00:01:25: Gemeinsam mit anderen Autorinnen und Autoren aus dem posserwetischen Raum schreibt sie das Tagebuch Krieg und Frieden, dass jeden Freitag auf tats.de erscheint.
00:01:47: Guten Tag, Machinot!
00:01:49: Eine der wohl aktuellsten und wichtigsten Themen sind die Sanktionen gegen Russland und die Rolle Kyrgyzstan.
00:01:55: Die Europäische Union und die USA verdächtigen kirgisische Unternehmen, an sogenannten Re-Exportgeschäfte nach Russland beteiligt zu sein.
00:02:04: Dabei sollen Waren, die wegen der Sanktionen nicht direkt nach Russlands geliefert werden dürfen über Kyrgyzstan weiter geleitet werden.
00:02:13: Infolgedessen wurden umfangreiche Exportbeschränkungen verhängt.
00:02:19: Welche Unternehmen stehen im Fokus?
00:02:21: Und um welche Sanktsionen handelt es sich
00:02:23: konkret?".
00:02:24: Kyrgyzstan ist damit gewissermaßen das erste Land in Zentralasien, das von solchen Massnahmen in diesen Ausmaß betroffen ist.
00:02:47: Ja tatsächlich wurde Kyrgistan in die jüngsten Sanktionsmaßnahmen der Europäischen Union gegen Russland einbezogen.
00:02:53: Wir sind das erste Land in Zentralasien und eines der wenigen Drittländer, die nicht direkt am Krieg in der Ukraine beteiligt sind aber trotzdem von Sanktionen betroffen sind.
00:03:03: Der Grund dafür sind Vorwürfe des
00:03:05: Rehexports.".
00:03:06: Gemeint ist, dass Waren über Kyrgyzstan nach Russland gelangen – obwohl sie aufgrund der Sanktion nicht direkt dorthin exportiert werden dürfen.
00:03:14: Kyrgistan ist Mitglied der Eurasischen Wirtschaftsunion und der Zoll-Union.
00:03:18: Innerhalb dieses Wirtschaftsraums können Waren deutlich einfacher bewegt werden.
00:03:23: Deshalb werden viele Produkte, die nicht mehr direkt nach Russlands geliefert werden dürfen, über Kürgistern und Kasachstan
00:03:29: eingeführt.".
00:03:30: Beide Länder gehören gemeinsam mit Russland und Belarus zur Eurasischen Wirtschaftsunion.
00:03:36: Aus diesem Grund wurde Kyrgyzstan in die Sanktionsliste aufgenommen, betroffen sind bestimmte Warengruppen darunter auch Ausrüstungen für Sprach- und Funkkommunikation sowie weitere technische Geräte.
00:03:47: Diese dürfen ebenfalls nicht mehr nach Kyrgizstan exportiert werden.
00:03:52: Schon
00:03:52: vorher standen einzelne kirgesische Unternehmen auf Sanktionslisten, dabei handelte es sich aber nicht um Sanktsion gegen den Staat als Ganzes.
00:04:00: Betroffen waren einzelne Firmen, Banken sowie Finanz- und Divisenunternehmen.
00:04:05: Mit dem zwanzigsten Sankthionspaket der Europäischen Union gegen Russland wurden nun erstmals auch Kyrgyzstan als Staat bzw.
00:04:12: als unabhängige Republik in die Maßnahmen einbezogen.
00:04:24: Wie Sie bereits erwähnt haben, gab es ähnliche Fälle auch in Kasachstan.
00:04:29: Vereinfacht gesagt eröffnet man ein Unternehmen und importiert beispielsweise Metall-, Maschinen- oder andere technische Ausrüstung nach Russland.
00:04:39: Wenn ein solches Unternehmen später auf eine Saktionliste landet Probleme bekommt wird häufig ein neue Firma gegründet, entweder in Kyrgyzstan oder in Kazakhstan.
00:04:50: Über diese neue Unternehmen können die Geschäfte dann fortgesetzt werden.
00:04:54: Jetzt scheint sich die Situation jedoch geändert zu haben – denn inzwischen gerät nicht nur die einzelnen Firmen sondern das Land selbst ins Visier.
00:05:05: Kyrgistan ist als Staat von Sanktionen
00:05:08: betroffen.".
00:05:09: Können eigentlich die Aktivitäten einfach nach Kazakhstan verlagert werden, um von dort aus die Waren weiter nach Russland zu liefern?
00:05:25: Ja tatsächlich gab es bei uns in der Vergangenheit solche Fälle.
00:05:29: Gegen eine bestimmte Firma wurden Sanktionen verhängt.
00:05:31: sie änderte einfach ihren Namen oder ihre Eigentümer Struktur und setzte ihre Geschäfte anschließend fort.
00:05:37: Jetzt hat sich die Situation verändert.
00:05:39: Der Import bestimmter Waren ist grundsätzlich verboten.
00:05:42: Damit spielt es keine Rolle mehr, wie ein Unternehmen heißt oder wem es gehört – entscheidend ist, dass bestimmte Güter nicht mehr nach Kyrgyzstan eingeführt werden
00:05:50: dürfen.".
00:05:51: Natürlich könnten einige Unternehmen versuchen, diese Waren über andere Länder zu importieren.
00:05:56: Das wird jedoch deutlich schwieriger.
00:05:58: Die Mitgliedschaft Kyrgyzstan in der Eurasischen Wirtschaftsunion und der Zoll-Union mit Russland hat dem Land bisher erhebliche Vorteile gebracht und den wahren Verkehr erleichtert.
00:06:09: Es ist kein Geheimnis, dass viele Unternehmen von diesen Handelsströmen profitiert haben.
00:06:13: Deshalb haben die neuen Beschränkungen auch wirtschaftliche Folgen für unser Land.
00:06:17: Der Reexport ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und macht inzwischen einen bedeutenden Teil der wirtschaftlichen Entwicklung Kyrgyzstan aus.
00:06:25: Soweit ich weiß führt die Regierung derzeit Gespräche um die Auswirkung der Sanktionen abzumildern.
00:06:30: auf staatlicher Ebene laufen Verhandlungen mit internationalen Partnern.
00:06:34: Das Justizministerium hat bereits rund fünfzig Unternehmen bzw.
00:06:38: juristische Personen aufgelöst, um die Sanktionsrisiken zu
00:06:42: reduzieren.".
00:06:43: Dabei handelt es sich um Firmen, die nach Angaben der Behörden in Geschäfte mit erhöhtem Sanktionsrisiko verwickelt waren.
00:06:49: Nach meinem Kenntnisstand setzen die kirgisischen Behörde ihre Gespräche mit den EU-Staaten und anderen Partnern auf verschiedenen Ebenen fort – Ziel ist es, die Folgen der Sanktsion für die Wirtschaft des Landes möglichst gering zu
00:07:02: halten.".
00:07:11: Und können Sie bestätigen, dass Kyrgyzstan nach wie vor zu den engsten verbündeten Russlands in Zentralasien gehört?
00:07:25: Wahrscheinlich ja.
00:07:26: Man kann auf jeden Fall sagen, dass wir Russland sehr nahe stehen.
00:07:29: Auf staatlicher Ebene wird Russland als strategischer Partner bezeichnet.
00:07:34: Wie
00:07:34: sie wissen ist russisch bei uns eine Ansprache.
00:07:36: Es wird gleichberechtigt neben der Staatssprache dem Kyrgesischen verwendet.
00:07:41: Viele Bereiche des öffentlichen Lebens funktionieren auf Russisch.
00:07:44: Wir haben sehr viele russische Sprache geschulen, vor allem in der Hauptstadt Bishkek gibt es mehr russesprachige als kirgisische sprachige Schulen.
00:07:52: Unsere Beziehungen sind nicht nur wirtschaftlich eng sondern auch kulturell und im Bildungsbereich.
00:07:57: Derzeit werden in Kirgistan zahlreiche Projekte mit Unterstützung Russlands umgesetzt.
00:08:02: Es gibt beispielsweise die gemeinnützige Organisation Eurasia.
00:08:08: Soweit ich weiß, steht sie ebenfalls unter Sanktionen.
00:08:10: Großbritannien hat Sanktsion gegen diese Organisation verhängt.
00:08:14: Eurasia ist hier in Kyrgyzstan sehr aktiv – es werden Fernsehsender gegründet, neue Medienprojekte aufgebaut und intensiv mit Bloggangen gearbeitet.
00:08:23: Erst heute habe ich eine neue Ausschreibung gesehen.
00:08:25: Eurasia sucht junge Blogger, Journalisten und Content-Creator für ihre Mediaschule Eurasier.
00:08:31: Geplant ist ein Intensivkurs für junge Menschen.
00:08:34: Es ist offensichtlich, dass gezielt Personen mit großer Reichweite ausgewählt werden – Menschen also die in der Lage sind, die öffentliche Meinung zu beeinflussen, insbesondere unter Jugendlichen.
00:08:44: Für sie werden spezielle Schulungsprogramme organisiert.
00:08:47: Offiziell sollen dort grundlegende Kenntnisse über traditionelle Werte vermittelt werden.
00:08:52: Es es allerdings naheliegend, das unter diesem Vorwand auch weiterhin russische Propaganda verbreitet werden
00:08:58: soll.".
00:08:58: Die Haltung gegenüber Russland und seinen Krieg ist bei uns ohnehin vergleichsweise loyal.
00:09:03: Viele Menschen in Kyrgyzstan verurteilen den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine bis heute nicht.
00:09:09: Außerdem arbeiten weiterhin sehr viele Kirgisen in Russland, der Strom von Arbeitsmigranten nach Russland ist nach wie vor groß – all das schafft enge Verbindungen zwischen beiden
00:09:18: Ländern.".
00:09:19: Der russische Einfluss ist entsprechend stark.
00:09:22: Russland fördert hier zahlreiche Projekte weit über die bereits erwähnte Mediaschule hinaus.
00:09:27: Es werden Kulturzentren eröffnet, Russland gründet Schulen und Universitäten.
00:09:32: Viele dieser Projekte richten sich gezielt an junge Menschen und Kinder.
00:09:35: Auch Ferienlager werden organisiert, Kinder aus Kyrgyzstan können ihre Sommerferie in verschiedenen Kinderlagern in Russland verbringen.
00:09:42: Hinzu kommt eine umfangreiche finanzielle Förderung – Russland vergibt derzeit zahlreiche Zuschüsse an Neue-und auch unabhängige Medien in Kyrgizstan.
00:09:51: Nach dem große internationale Geldgeber wie die amerikanische USA… Internews oder die Soros-Stiftung, die Regionen verlassen haben bzw.
00:10:00: ihr Engagement deutlich reduziert wurde, füllt Russland diese Lücke zunehmend.
00:10:05: Dadurch gewinnt Russland immer mehr Einfluss auf den Medienmarkt und verändert die Medienlandschaft Schritt für Schritt nach eigenen Vorstellungen.
00:10:12: Heute gibt es nicht mehr dieselbe intensive Mediale Auseinandersetzung mit dem russischen Krieg gegen die Ukraine wie noch vor einigen
00:10:18: Jahren.".
00:10:24: Sie haben gerade auch die unabhängigen Medien erwähnt.
00:10:27: Wenn selbst Unabhängige Medien an solche Förderprogramme teilnehmen und finanzielle Unterstützung erhalten, stellt sich die Frage wie unabhängig sie dann tatsächlich noch sind?
00:10:38: Kann man in diesem Zusammenhang überhaupt noch von Unabhängenmedien in Kölzstan sprechen?
00:10:44: Außerdem würde ich gerne auf das Gesetz über die sogenannten ausländischen Vertreter bzw.
00:10:49: ausländern Argenten eingehen!
00:10:51: Wille beobachter sehen darin einen deutlich Einfluss Russlands.
00:10:56: Das Gesetz in Kyrgyzstan wurde bereits vor einige Zeit verabschiedet im Jahr-Zw-A-T-O-N-T, trotz seiner Bedeutung wird heute wenig darüber gesprochen.
00:11:06: Mach ihn nur.
00:11:07: welche Auswirkungen hat das Gesetz auf die Medienlandschaft und die Zivilgesellschaft?
00:11:18: Ja, das Gesetz wurde bei uns vor zwei Jahren verabschiedet also im Jahr ist es nicht auf einen vergleichbaren Widerstand wie etwa in Georgien.
00:11:27: Dort gab es massive Proteste gegen ein ähnliches Gesetz.
00:11:31: Bei uns heißt das Gesetz offiziell Gesetz über ausländische Vertreter.
00:11:35: Inhaltlich handelt es sich jedoch weitgehend um eine Kopie des russischen Gesetzes über sogenannte Ausländischer Agenten.
00:11:42: Das
00:11:42: Gesetz wurde praktisch nach russischem Vorbild übernommen.
00:11:45: Entsprechend wurden auch ähnliche Regelungen eingeführt.
00:11:48: Organisationen, die finanzielle Unterstützung aus dem Ausland erhalten – etwa von internationalen oder ausländischen Einrichtungen – müssen sich als sogenannte auslängische Vertreter registrieren lassen und in ein entsprechendes Register eingetragen
00:12:01: werden.".
00:12:03: Für diese Organisation gelten zusätzliche Kontroll- und Berichtspflichten.
00:12:07: Die Behörden können umfangreichere Überprüfungen durchführen, sie erhalten unter anderem weitergehende Einblicke in finanzielle Aktivitäten und Bankkonten.
00:12:16: Bislang wird das Gesetz jedoch nicht aktiv verwendet.
00:12:18: seit seiner Verabschiedung haben sich lediglich fünf Organisation freiwillig registrieren lassen.
00:12:23: uns sind in das Register aufgenommen worden.
00:12:26: Derzeit wird das Gesetz weder konsequent durchgesetzt noch besonders aktiv vorangetrieben.
00:12:31: Für Organisationen, die sich nicht registrieren lassen sieht das Gesetz sogar Geldstrafen und andere Sanktionen vor.
00:12:37: Bislang werden diese Bestimmungen jedoch nicht angewendet.
00:12:40: Das hängt meiner Ansicht nach mit den aktuellen politischen Entwicklungen im Land zusammen.
00:12:45: Innerhalb der politischen Führung gibt es weiterhin Spannungen.
00:12:48: Gemeinsinnpräsident Zadeh Chaparov und sein langjähriger Vertreter Kamcibek Tashiev, der bis vor kurzem den staatlichen Ausschuss für nationale Sicherheit leitete.
00:12:58: Die beiden haben das Land über viele Jahre faktisch gemeinsam geführt – inzwischen wurde Tashie von seinen Posten abgelöst.
00:13:05: Seither gibt es offenbar Meinungsverschiedenheiten und politische Spannung zwischen den früheren
00:13:10: Verbündeten.".
00:13:11: Ich denke, dass auch deshalb einige Gesetze derzeit nicht konsequent umgesetzt werden.
00:13:16: Hinzu kommt, das in absehbarer Zeit Präsidentschaftswahlen anstehen.
00:13:20: Der Präsident Jabharov dürfte versuchen für eine weitere Amtszeit zu kandidieren – die Verfassung ermöglicht ihm das!
00:13:26: Vor diesem Hintergrund hat sich der Druck auf die Zivilgesellschaft und die Medien zuletzt etwas abgeschwächt.
00:13:32: Die Situation ist heute weniger angespannt als noch vor zwei
00:13:35: Jahren.".
00:13:36: Das Ausmaß des Drucks, das wir damals erlebt haben ist derzeit nicht mehr so stark spürbar.
00:13:41: Im vergangenen Jahr wurden viele meiner Kolleginnen und Kollegen festgenommen – gegen zahlreiche Medienschaffende wurden Strafverfahren eingeleitet oder Geldstrafen verhängt, Medienwebseiten wurden gesperrt oder geschlossen.
00:13:53: Inzwischen hat sich die Lage etwas entspannt.
00:13:56: Ich gehe davon aus dass dies auch mit den bevorstehenden Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr
00:14:00: zusammenhängt.".
00:14:07: Im Juni fanden in Armenien Parlaments Wahlenstaat, auch dort spielt er die Frage des russischen Einflusses eine wichtige Rolle.
00:14:15: Es kam zu einem politischen Machtkampf.
00:14:17: Europa unterstützte den armenischen Ministerpräsidenten Ofen was Russland offensichtlich missfällt.
00:14:24: Inzwischen droht Russland damit Armeien mit wirtschaftlichen Maßnahmen und möglichen Sanktionen zu bestrafen?
00:14:30: werden solche Entwicklungen auch in Kyrgyzstan diskutiert?
00:14:34: Wird dort auf die Reignisse in der Ukraine, in Armenien oder auch in Georgien verwiesen und gesagt seht was dort passiert ist?
00:14:44: Ein solches Szenario darf sich in Kyrgyzstan nicht wiederholen.
00:14:48: Deshalb müssen wir dem pro-Russischen Kurs treu bleiben.
00:14:52: Gibt es einen solchen Diskurs im Kyrgestan überhaupt?
00:15:01: Ja, eine solchen Diskurs gibt es bei uns.
00:15:03: Besonders deutlich wird er immer dann wenn über die Stellung der russischen Sprache diskutiert wird.
00:15:08: Derzeit hat Russisch den Status einer Amtssprache und wird gleichberechtigt neben der Staatssprache dem Kyrgesischen verwendet.
00:15:15: Aktuell gibt es Initiativen des Bildungsministeriums mehr Unterrichtsfächer auf kyrgesisch zu unterrichten.
00:15:21: Ziel ist es, die Rolle der Staatsprache im Bildungssystem zu stärken.
00:15:25: Sobald dieses Thema aufkommt, stößt es auf erheblichen Widerstand von russischer Seite.
00:15:30: In der Öffentlichkeit wird dann häufig argumentiert dass dadurch die rechte bestimmter Bevölkerungsgruppen insbesondere der russischsprachigen Bevölkerung eingeschränkt würden.
00:15:40: dabei ist Kyrgyzstan seit mehr als dreißig Jahren unabhängig.
00:15:43: trotzdem können sie schon an mir selbst sehen das viele von uns russische besser sprechen als kyrgisisch.
00:15:49: Die kirgesische Sprache wird bis heute nicht überall im Alltag verwendet.
00:15:52: Wie bereits erwähnt, gibt es insbesondere in den größeren Städten und vor allem in der Hauptstadt Bischkek mehr Schulen mit Russischer als mit kirgesischer Unterrichtssprache.
00:16:01: Deshalb führen Vorschläge, den Unterricht stärker auf die Staatssprache umzustellen, regelmäßig zu kontroversen Debatten.
00:16:07: Dabei hören wir nicht nur Kritik in sozialen Netzwerken – solche Aussagen kommen auch von Politikern!
00:16:13: So gibt es Stimmen in der russischen Staatsdummer, im Parlament die offen darüber sprechen Maßnahmen oder sogar Sanktionen gegen Kyrgyzstan zu prüfen.
00:16:22: Dabei geht es letztlich um die Frage ob Kyrgistan das Recht haben sollte die eigene Strahtsprache stärker zu fördern und Kindern verstärkt Unterricht in ihrer Landessprache anzubieten.
00:16:31: Jedes Mal wenn diese Frage aufkommt stößt sie auf erheblichen Widerstand.
00:16:35: Dabei werden häufig die Ukraine und andere Länder als Beispiele angeführt.
00:16:40: Es wird davor gewarnt, dass sich ähnliche Entwicklungen auch in Kyrgyzstan wiederholen könnten – zugleich geraten zivilgesellschaftlichen Aktivisten ins Visier vor allem jene, die sich kritisch zum russischen Einfluss im Kyrgizstan äußern oder entsprechend Initiativen
00:16:54: unterstützen.".
00:16:56: Gegen sie beginnen oft Kampagnen in sozialen Netzwerken und in pro-russischen Medien.
00:17:01: Davon betroffen sind Aktivisten oder Journalisten, die sich zu unterschiedlichen Zeiten in Georgien aufgehalten haben.
00:17:07: Viele haben das nie verheimlicht – auch ich selbst nicht!
00:17:09: Ich war ein Georgian und davon gibt es Fotos in meinen öffentlich zugänglichen sozialen
00:17:13: Netzwerten.".
00:17:15: Die russische Propagande greift solche Bilder und Informationen auf.
00:17:18: Dann wird behauptet, wir seien nach Georgien gereist um dort zu lernen wie man gegen bestimmte Gesetze vorgeht etwa gegen das Gesetz über ausländische Agenten oder wie man Massenproteste organisiert.
00:17:30: Auf dieser Grundlage werden uns solche Absichten unterstellt.
00:17:33: dabei werden Fotos aus freizugänglichen Quellen verwendet.
00:17:36: Im vergangenen Jahr gab es eine groß angelegte Kampagne gegen Journalisten und Aktivisten, die in Georgien gewesen waren.
00:17:43: Viele von ihnen waren aus ganz unterschiedlichen Gründen dort – privat oder im Rahmen vom Projekten- und Programm.
00:17:49: Diese Informationen wurden anschließend genutzt um zu behaupten wir würden aus Georgien Methoden mitbringen, um Unruhen oder Massenproteste zu organisieren.
00:17:57: Dieser Widerstand von pro-russischen Medien, pro russischen Bloggern sowie teilweise auch von russischem Politikern hält bis heute
00:18:04: an.".
00:18:04: Immer wieder wird behauptet, dass sich die Ereignisse, die man in anderen Ländern beobachtet hat auch in Kyrgyzstan wiederholen könnten.
00:18:15: Vielen Dank und danke, dass Sie das Thema Arbeitsmigrations angesprochen haben!
00:18:22: Hunderttausende Bürgerinnen und Bürger Kyrgestans arbeiten in Russland – deshalb ist die Migrationsfrage auch ein wichtiges politisches Instrument.
00:18:31: Fast jedes Jahr erleben wir, dass die russische Behörden den Druck auf Arbeitsmigrantinnen erhöhen?
00:18:38: Das ist ein sehr sensibler Thema für Kölkistan.
00:18:41: Es kommt zu Ratien, Festnahme, verschäften Kontrolle oder Abschiebungen – solche Massnahmen sorgen regelmäßig für große Aufmerksamkeit und
00:18:50: Besorgnis.".
00:18:51: Gleichzeitig ist es derzeit kaum vorstellbar, dass Kyrgyzstan ohne diese Arbeitsmigration auskommt.
00:18:58: Sowohl die Wirtschaft als auch viele Familien sind von der Einkommen abhängig, die Migrantinnen aus Russland nach Hause überweisen.
00:19:07: Gibt es ihre Meinung nach Veränderungen in diesem Bereich?
00:19:11: Kann Kyrgizstan seine wirtschaftliche Abhängigkeit von der Arbeitsmigration nach Russland langfristig verringern!
00:19:21: Ja, tatsächlich arbeiten sehr viele Bürger Kyrgyzstan in Russland.
00:19:25: Offiziellen Angaben zufolge sind es rund fünfhunderttausend Menschen.
00:19:29: Ihnen offiziell dürfte die Zahl noch deutlich höher liegen.
00:19:32: Viele von ihnen unterstützen ihre Familien in Kyrgestan durch Geldüberweisungen.
00:19:36: Diese Rücküberweisung machen nach wie vor einen wichtigen Teil der kirgisischen Wirtschaft aus.
00:19:41: In den vergangenen Jahren ist ihr Anteil allerdings zurückgegangen – dafür gibt's mehrere Gründe!
00:19:46: Auch in Russland sind wirtschaftliche Probleme spürbar.
00:19:49: Zudem kehren viele kirgisische Arbeitmigranten zurück, weil sie dort keine Arbeit mehr finden.
00:19:54: Die Migration war für Kyrgyzstan immer ein schwieriges und sehr wichtiges Thema.
00:19:58: Wir wissen die kirgiszischen Staatsbürger in Russlands behandelt werden.
00:20:02: Obwohl unsere Länder demselben Wirtschaftsraum angehören Werden die Regeln für Migranten aus Kyrgestern immer wieder verschärft.
00:20:09: Auf gesetzlicher Ebene werden regelmäßig neue Vorschriften eingeführt.
00:20:13: Dazu gehören Anforderungen an die russischen Sprachkenntnisse, Versicherungen oder andere Bedingungen für den legalen Offenthalt in Russland.
00:20:20: In den vergangenen zwei Jahren ist allerdings ein weiteres Thema an den Vordergrund gerückt – die Rekrutierung kürgisischer Staatsbürger für den Krieg in der
00:20:28: Ukraine.".
00:20:29: Dabei
00:20:29: werden unterschiedliche Methoden angewandt.
00:20:32: Wir wissen, dass es in Russland nicht besonders schwierig ist bei einer Person Verstöße festzustellen und sie festzunehmen wenn dies gewollt ist.
00:20:39: Nach Berichten werden viele unserer Bürger unter Druck gesetzt Militärverträge zu unterschreiben Und anschließend am Krieg teilzunehen.
00:20:46: Dieses Thema ist inzwischen sogar noch aktueller als die Frage des Aufenthalts kirgisischer Staatsbürger In Russland.
00:20:52: Es gibt Zeugenaussagen, Videos und Berichte von Kyrgisen die auf rossischer Seite im Krieg gegen die Ukraine kämpfen.
00:20:58: Darin schildern sie wie sie angeworben wurden und unter welchen Umständen Sie Verträge unterschrieben haben, die sie schließlich an die Front brachten.
00:21:06: Das stellt eine besonders große Herausforderung dar Denn in Kyrgyzstan ist die Teilnahme an bewaffneten Konflikten auf dem Gebiet eines anderes Staates strafbar.
00:21:14: Diese Menschen befinden sich daher in einer äußerst schwierigen Lage.
00:21:18: Eineseits geraten sie in Russland Unterdruck Militärverträge zu unterschreiben unter den Krieg zu ziehen, andernfalls drohen ihnen dort Konsequenzen.
00:21:25: Andererseits wissen sie, dass ihnen auch in Kyrgyzstan rechtliche Folgen drohen können wenn Sie an diesen Krieg teilnehmen und später in ihre Heimat zurückkehren.
00:21:33: Sie befinden sich somit zwischen zwei Fronten – die Verweigerung kann folgen haben, die Teilnahme aber ebenfalls.
00:21:40: Nach Aussagen einiger Betroffener sehen manche von Ihnen keinen anderen Ausweg als sich den ukrainischen Streitkräften zu ergeben.
00:21:47: für sie erscheint dies als die einzige Möglichkeit ihrer Situation zu
00:21:50: entkommen.".
00:21:51: Zu diesem Thema gibt es dokumentierte Zeugnisse, Reportagen und journalistische Recherchen.
00:21:56: Kyrgyzische Journalisten haben in der Ukraine mit solchen Personen gesprochen die in Gefangenschaft geraten waren oder sich ergeben hatten.
00:22:03: Nach deren Schilderung war dies für sie der einzige Weg weiteren Konsequenzen zu entgehen.
00:22:15: Vielen Dank fürs Gespräch Machinot!
00:22:19: Zum Abschluss würde ich gerne noch Eine etwas persönliche Frage stellen ganz im Stil dieses Podcasts.
00:22:27: Was haben Sie für den Juli geplant?
00:22:30: Auch in Kyrgyzstan beginnen denn die Sommerferien, haben sie bereits Pläne für diese Zeit?
00:22:35: werden sie vielleicht verreisen sich etwas Zeit für Erholung nehmen oder an neuem Projekt arbeiten?
00:22:46: Im Juli werde ich mich vor allem auf die neue Politische Saison vorbereiten.
00:22:50: Der Herbst dürfte bei uns sehr intensiv werden, möglicherweise stehen Wahlen an bzw.
00:22:54: Die Vorbereitungen darauf werden beginnen.
00:22:56: Es gibt auch Spekulation über mit mögliche vorgezogene Wahlen.
00:23:00: Deshalb wird es wichtig sein die politische Entwicklung im Land genauer zu verfolgen.
00:23:05: Während der Sommerpause steht für mich nur eine Veranstaltung in Almatyan.
00:23:08: Sie findet im Rahmen eines Projekts statt, an dem ich beteiligt bin.
00:23:12: Das Projekt beschäftigt sich mit der Bekämpfung von Propaganda und Manipulation.
00:23:17: Gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen arbeite ich daran.
00:23:20: Im Juli treffen wir uns dazu in Almaty.
00:23:22: Ansonsten habe ich im Juli keine festen Termine, die restliche Zeit bin ich weitgehend
00:23:26: frei.".
00:23:33: Vielen Dank!
00:23:34: Mein Gast war Mahinor Niasova, Journalistin aus Kyrgyzstan.
00:23:39: Ihre weiteren Texte können Sie auf tatts.de lesen, suchen sie dort nach der Kolumne Krieg- und Frieden der Tatzpannter Stiftung!
00:23:50: Wir freuen uns über Ihre Spenden damit wir diesen Podcast um die Kolumnerei weiterführen können vor allem aber helfen Sie damit unabhängige und kritische Stimme vor Ort zu unterstützen.
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